Lektion 6

Griechische Tragödie

In ihrer „klassischen“ Form beschäftigte sich die Tragödie mit dem Schicksal, dem Unglück und den tragischen Katastrophen, die Mächtigen, Adligen und Menschen in hohen sozialen Positionen widerfuhren. Fehlentscheidungen, Charakterfehler und Hybris (Überheblichkeit) führten dazu, dass die Situation der betroffenen Figuren sich unausweichlich verschlechterte und meist mit ihrem Tod endete.

Das dramatische Prinzip der griechischen Tragödie beruht auf der emotional bewegenden Darstellung der Ausweglosigkeit des Hauptdarstellers. Das Miterleben der Tragik beinhaltete (auch) eine erzieherische Komponente.

Hierbei bedeutet „tragisch“ aber nicht wie in der Alltagssprache häufig verwendet, dass etwas sehr traurig ist, sondern dass sich jemand in einem unauflösbaren Dilemma befindet und dadurch „schuldlos schuldig“ wird, wie zum Beispiel Ödipus, Orestes oder Hamlet.

Das dramatische Prinzip der griechischen Tragödie beruht auf der emotional bewegenden Darstellung der fatalen Aussichtslosigkeit jedweder Handlung des Protagonisten (Hauptdarsteller). Wie auch immer er sich entscheidet, was auch immer er tut, sein Tun führt in die Katastrophe.

Antigone, Elektra und König Ödipus in den Tragödien des Sophokles, Medea und Iphigenie in denen des Euripides, Agamemnon und Orest, sowie der persische Hofstaat in den Schauspielen des Aischylos, gerieten nach ähnlichen Mustern in hoffnungslose Situationen, in denen ihnen nur noch die Wahl zwischen zwei Übeln blieb.

• Das Verhältnis des Menschen zu den Göttern ist ebenfalls schwierig: Die Menschen versuchen, dem Prophezeiten zu entgehen, die Weisheit der Götter als nicht vorhanden zu entlarven. Aber eben damit erkennen sie die Weisheit der Götter an und ebnen der Erfüllung der Vorhersage den Weg.

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