Lektion 14

Liebe und ihr Beginn mit der Minne

Liebe ist dem Menschen nicht von Natur aus eingepflanzt. Am Anfang der Menschheitsgeschichte war zunächst nur Trieb. Der Trieb führte zur Zeugung.
Liebe kam erst später als ein kulturelles Gut, das sich in der Gesellschaft entwickelte - zum Beispiel in Form der Minne.

Die Zeit der Minne beginnt Ende des 12. Jahrhunderts. „Minne“ ist ein mittelhochdeutsches Wort für „Liebe“. Die Liebe fand ihre Begründung in der Vollkommenheit des geliebten Objekts. Liebe war in dieser Zeit eine Perfektionsidee und platonisch, also nicht auf das Körperliche bezogen.

Um sich vom groben Rittertum abzusetzen, um zu zeigen, „Wir sind höfischer Adel“, eigneten die Adligen sich „gute“ Manieren an. Eine nicht unerhebliche Folge war die Kultivierung der Sitten.

Und man liebte. Es handelte sich zumeist um einen Ritter, der eine „hohe Frau“ – eine verheiratete zumal - verehrte. Liebe war den außerehelichen Beziehungen vorbehalten.

Es gab die Differenz von häuslicher Reproduktion und Liebesaffären außerhalb der Ehe. Ein wichtiger Liebesbeweis, der später zur Liebe dazu gehörte, die Bereitschaft zur Ehe, war noch nicht aktuell. Und da die Personen nichts anzubieten hatten (keine Heirat), mussten die Herren ihre Phantasie quälen, um ihre Liebe fortwährend zu beweisen.

Die Liebenden litten, weil die Liebe nicht erfüllbar war, das war das Grundmuster der Passion. Hätte man das Leiden entfernt, wäre die Liebe mit gestorben. Liebe war Leiden, war Aufregung.

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