Lektion 16

Die kopernikanische Wende

Die „Kopernikanische Wende“ ist ein nachträglich geprägter Begriff, der eine grundlegende Veränderung der Weltsicht versinnbildlichen soll. Wissenschaftliche Erkenntnis prägte ab Kopernikus das menschliche Selbstverständnis. Vor Kopernikus glaubte man, seinen Sinnen trauen zu können und man glaubte den metaphysischen Erklärungen der Kirche.

Das Weltbild zur Zeit Kopernikus war geprägt von Ptolemäus und dem Christentum. Ptolemäus lebte von ca. 100 bis 160 n. Chr. in Oberägypten. Er postulierte das geozentrische System. Darin galt die Erde als der Mittelpunkt der Welt und über der Erde wölbte sich das Firmament mit Sonne, Mond und Sternen, welche die Erde umkreisten, ein Bild, das auch der Kirche gefiel.

Kopernikus wollte genauere Kalenderdaten bekommen, deshalb musste er die Bewegungen der Himmelskörper neu berechnen, das war zu seiner Zeit nichts Besonderes. Aber unter den Voraussetzungen des damals offiziellen ptolemäischen Weltbildes musste man zwangsläufig zu falschen Kalenderdaten kommen.

Man konnte die Ergebnisse nur verbessern, wenn man das Weltbild veränderte (wendete!). Kopernikus ging mit einer „Hypothese“ an die Aufgabe heran: „Was wäre, wenn man die Sonne in den Mittelpunkt der Welt stellte?“ Damit zerbrach Kopernikus das geozentrischen Weltbild. Er prägte das heliozentrische Weltbild (helios, griechisch für „Sonne“).

In dem neuen Weltbild verliert der Mensch seine zentrale Lage. Er gerät aus dem Mittelpunkt der Welt und aus dem Mittelpunkt der Betrachtung. Beides, die auch bei Kopernikus noch immer falschen astronomischen Daten und die Herauslösung des Menschen aus seiner Mittelpunktstellung, brachten Kopernikus lange um die Anerkennung seiner Leistung.

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