Lektion 34a

Europa - Ein vielstimmiger Chor
Selbes Thema - andere Sichtweise: Betrachtet durch die Brille eines Professors der Vergleichenden Religionswissenschaften
Mit einem Kommentar eines Kulturjournalisten im Anhang

In der gegenwärtigen Europa-Krise hören wir so wenig vom europäischen Geist und von europäischer Kultur. Hat das mit der Ökonomisierung unserer Lebenswelten zu tun? Wird die hohe Verschuldung zur Zerreißprobe für die EU? Und: Was heißt es überhaupt, ein Europäer zu sein?

Versuche, ein einheitliches Europa zu schaffen, gab es viele. Das Programm war anfangs immer das Gleiche: Die jeweils stärkste Macht einigt Europa, indem sie ihm ihren Willen aufzwingt. Ob der Cäsarismus des Römischen Reiches, Karl der Große, Napoleon oder Hitler: Die Strategie der Einigung war jedes Mal die militärische Gewalt. Aber konnte der Größenwahn Einzelner Europa einen?

Kann es die christliche Religion als Einheitsstifter richten? Eher nicht: zunächst die Spaltung in griechisch-orthodoxe Ostkirche und in römisch-katholische Westkirche. Dann Luther und der darauf folgende 30-Jährige Krieg mit der Trennung der Länder Nordeuropas von denen Südeuropas.

Aus jahrhundertelang gewachsenen unterschiedlichen Identitäten in Europa erwuchs der Nationalismus. Verschärfend wirkte, dass die Verabsolutierung der Interessen des eigenen Staates zum obersten Prinzip der Außenpolitik erhoben wurde. Wundert es, wenn es aus diesem Gegeneinander statt Miteinander zum "neuen 30-Jährigen Krieg" kam - wie Winston Churchill die beiden Weltkriege nannte?

Nach dem Wegfall des "Eisernen Vorhanges" entsteht erstmals in der Geschichte Europas der Versuch, nicht durch eine aggressive Expansion der Staaten, sondern durch Integration zusammenzuwachsen. Dies geschieht durch Angleichungen in Wirtschaft, Sozialsystemen, Währung, Recht und - nicht zuletzt - durch den Wegfall von Grenzen. Schritt für Schritt geben die zahlreicher werdenden Mitglieder der neuen europäischen Gemeinschaft Kompetenzen an den europäischen Gesetzgeber in Brüssel ab. Doch warum werden wir als Bürger nicht mit einbezogen?

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