Lektion 34b

Europa - Fluch und Segen der Vielfalt
Selbes Thema - andere Sichtweise: Betrachtet durch die Brille eines erfahrenen Journalisten

Was heißt es eigentlich, Europäer zu sein? Europa - ein kunterbuntes Völkergemisch. Wie ist dieser vielstimmige Chor unter einen Hut zu bekommen? Es gab diverse Ansätze…

Den ersten gemeinsamen europäischen Charakter entwickelten die Kelten, die drei Jahrhunderte vor Christus zeitweise fast das ganze europäische Festland besiedelten. Sie verbanden die Zugehörigkeit zu einer Sprachfamilie (westliches Indogermanisch).

Dann macht sich das Christentum in Europa breit. Rom wird zu einem mächtigen Zentrum. Die Völker Osteuropas werden allerdings von Byzanz aus bekehrt, der Hauptstadt des oströmischen Reiches. Dort wird christlich-orthodox geglaubt und griechisch geschrieben. Im Rest Europas sind die Christen katholisch, gebetet wird lateinisch. Zerteilt dies nicht Europa bis heute?

1804 wird Napoleon französischer Kaiser. Er besiegt die Österreicher und die Russen. Nach der verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig, in der sich Russland, Preußen und Österreich gegen die Franzosen zusammentun, zieht sich Napoleon in die Heimat zurück. Ein weiteres Ende eines europäischen Großtraums.

Danach verbreiten sich die Ideen von bürgerlichen Rechten und Nationalstaaten - an Stelle eines Bundes monarchisch regierter Länder. Es entsteht eine revolutionäre Stimmung, die Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerreißt. Führte dies zu den katastrophalen Kriegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

Die "Stunde Null" schlägt 1945, nachdem eine Zivilisation sich selbst zerstört hat. Europa liegt am Boden. Expansionsgelüste der Sowjetunion beschleunigen den Einigungsprozess im Westen. 1949 wird der Vertrag der NATO unterzeichnet, 1957 in Rom der Gründungsvertrag der EWG. Europa wächst wirtschaftlich zusammen. Doch wie entsteht daraus eine europäische Identität?

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kommt es zur Errichtung einer Euro-Zone. 17 Nationen haben nun eine gemeinsame, europäische Währung. Doch zu unterschiedlich entwickeln sich die Volkswirtschaften der Euro-Länder mit dem Resultat einer gigantischen Staatsschuldenkrise. Der Wohlstand schmilzt, die ärmeren Nationen fühlen sich in ein Spardiktat gepresst. Vergrößert die Krise erneut die Distanz der Europäer untereinander?

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